Vergangener Freitag: Eine Freundin von mir, die ich seit der 7. Klasse kenne, hatte Geburtstag. Also habe ich mich mit mehreren Freundinnen zusammengetan, um abends bei ihr vorbeizuschauen und ein bisschen mit ihr zu feiern. So ist es bei uns üblich – und leider sind das die „festen Termine“ im Jahr, wo man sich sicher sieht. Sonst ist es immer etwas schwierig, alle unter einen Hut zu bekommen.
Jedenfalls haben wir uns auf den Weg zu ihr gemacht, haben viel gelacht, gegessen, getrunken … und sind in Erinnerungen geschwelgt.
Ihr müsst euch das so vorstellen: 4 Mädels, die zusammen ihren Realschulabschluss gemacht haben, sitzen beisammen und reden über „früher“ (ja, jetzt lacht ihr vielleicht, aber – kleine Vorwarnung – euch wird es irgendwann genauso gehen).
Ich sagte „Oh wow, dieses Jahr sind wir seit 10 Jahren aus der Schule draußen – könnt ihr euch das vorstellen?!“ – „Was, echt?“ Wieder eine andere: „Wo ist die Zeit hin?“ Und irgendwie war jede von uns darüber erschrocken, dass schon soviel Zeit vergangen ist. Dann haben wir überlegt, was so aus unseren Klassenkameradinnen (wir waren in einer reinen Mädchenklasse) geworden ist. Natürlich wusste jede von uns etwas beizusteuern. „Die Anja ist neulich Mama geworden.“ – „Die Steffi ist verheiratet und hat zwei Kinder.“ – „Und Karin hat ja auch schon 2004 geheiratet.“ – „Ja, irgendwie sind 70% verheiratet und/oder haben schon Kinder.“ Dann war Stille. Keiner hat sich getraut, etwas zu sagen. Das war eine ganz komische Situation.
Dann sagte Andrea plötzlich „Irgendwie komme ich mir auch ganz blöd vor, dass alle um mich rum in unserem Alter heiraten oder Kinder kriegen. Aber wisst ihr was? Ich bin so froh, dass ich euch Single-Mädels hab. Wer braucht einen Mann oder Kinder? Wir genügen uns doch, oder? Die Zeiten sind vorbei, wo man Anfang, Mitte 20 geheiratet hat.“ Und wir restlichen drei einfach nur so „Hach <3“ und „mir geht es genauso, wusste aber nicht, wie ich mich ausdrücken sollte.“

Aber es stimmt. Warum lassen wir uns von unseren Eltern oder Großeltern (allgemein unserer Familie) so stressen? „22 – und immer noch allein“ war der Spruch, den ich mir von meiner Oma an meinem 22. Geburtstag anhören durfte. Am 26. Geburtstag hieß es dann schon (allerdings von der anderen Oma) „ich wünsche dir keine Gesundheit oder Glück, ich wünsche dir einen Mann.“ Hallo?!
Die Zeiten haben sich geändert. Früher war es normal, dass man mit Anfang 20 geheiratet und Kinder bekommen hat. In der heutigen Zeit hat sich das Zeitfenster etwas nach hinten verschoben. Heute heiratet man „erst“ um die 30 und bekommt erst Mitte 30 Kinder. „Wo ist also das Problem, wenn man mit Mitte 20 noch Single ist?“, haben wir uns gefragt. Und keine Antwort darauf gefunden.

Single sein ist doch viel besser, als wenn man z.B. mit einem Mann nur noch deshalb zusammen ist, weil man Angst vorm Allein-sein hat, obwohl man ihn gar nicht mehr liebt (bestes Beispiel: eine weitere Freundin von uns lebt mit ihrem Freund in Nürnberg zusammen. Alles, was sie den ganzen Tag tut, ist über ihn zu schimpfen. Warum sie noch mit ihm zusammen ist? „Alleine könnte ich mir die Wohnung nicht leisten.“ Traurig, oder?).
Oder anderer Fall: man hat sich endlich mit viel Herzschmerz von ihm getrennt, hat es endlich über sich gebracht – und stolpert direkt in die nächste Beziehung. Weil man sich so dran gewöhnt hat, dass immer jemand da ist. Das ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Oder sehen nur wir das so?

Zufälligerweise habe ich wenige Tage später in einer Frauenzeitschrift (ja, ich oute mich gerade) einen Artikel über Singles gesehen. Da mich unser Thema vom Geburtstag immer noch ein bisschen verfolgt hat, habe ich den Artikel gelesen. Und siehe da – die Hauptaussage des Artikels (zusammengefasst) „Singles – allein, aber nicht unglücklich“.
Die Zahl der Single-Haushalte steigt seit Jahren kontinuierlich an, 2010 hat sie zum ersten Mal die 50%-Marke erreicht. Der Hauptgrund, warum Singles allein leben und auch länger allein bleiben (59% der Frauen und 48% der Männer bleiben über 3 Jahre solo) ist folgender:
Als Single kann man tun und lassen, was man will, muss sich nicht dauernd rechtfertigen, wo man war, mit wem man weg war usw. Man muss keine Wünsche des Partners berücksichtigen oder seine Freiheit einschränken.

Genau das waren auch unsere Argumente, als wir nach einer Antwort auf das „Alters-Problem“ gesucht hatten. Deswegen haben wir 4 Mädels auch beschlossen, uns keinen Stress zu machen. Wir genießen unser Leben, wie es ist, haben unseren Spaß. Wenn der Richtige vorbei kommt, ist es halt so. Und bis dahin, haben wir ja immer noch uns.

Eure Karina

Advertisements