Vergessene Tage auf bunten Papierstreifen.
Lesen, was damals war, was bewegt hat, was Glück wie Seifenblasen gen Himmel hat aufsteigen lassen.

Vergessene Tage, die das Herz berühren.
Unendlichkeit und Lächeln schenken.

Ein Duft (deines getragenen Kapuzenpullis), ein Geräusch (der prasselnde Regen auf dem Schrägdach), kühles Dämmerlicht (auf deiner Haut).

Heute laufe ich durch das trübe Bahnhofsviertel. Abgerissene, düstere Gestalten sitzen in Wolldecken geschlungen auf dem kalten Asphalt. Bauarbeiter laufen wie Käfer umher. Ihre gelben Helme, ihr Drei-Tage-Bart. Sie entdecken mich. Einer lacht, einer zwinkert, ein schelmischer Gruß. Ein Pfeifen. Schnell ziehe ich weiter.
Dieses Viertel macht mich unglücklich. Es ist so kalt.

Gesichter hinter Sehnsuchtsnebeln.
Nasen hinter dicken Strickschals, grau.

Die Brücke ganz aus Stahl. Sie glänzt neu über den alten Gleisen.
Unten: Container an Container. Wie Liebespaare eng aneinander gedrückt.

Kälte. Stahl. Grau in grau. Immer wieder.

Tief lasse ich meine Hände in die Taschen meiner Jacke versinken.
In der einen Tasche ein Lippenbalsam, ein Taschentuch, 20 Cent und eine Kastanie.
In der Anderen ein grüner Papierfetzen. An den Rändern gewellt. Die Schrift darauf hastig und unleserlich.
Die Buchstaben schon verwischt.

4 Worte stehen dort. Vier Worte, die ich nicht lesen brauche. Vier Worte, die die Welt bedeuten, die hohe Wellen schlagen und an weißer Steinküste mit lauten Knall brechen.
Vier Worte, die ich gedanklich auf die Schienen unter mir setze. In den Zug, der Richtung Süden fährt. Zu dir. Und alles wir gut, leichter.

Der Zug leuchtet in einem kräftigen rot. Fahrgäste zerren ihre Taschen neben sich in den Zug. Seriöse Anzugträger hüsteln schwach.

Und da ein Winken, eine fröhliche Kinderstimme.

Vier Worte.

„Ich hab dich vermisst.“

Und ein Lächeln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Gedankensammlung von Sandra

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