Heute ist alles ein bisschen anders. Ein bisschen verrückt.

Heute gibt es keine Gedankensammlung. Heute gibt es ein Lied und eine andere Seite der goldenen Münze.

Kennt ihr die Chocowaffelleonie? Kennt ihr sie?

Ihr sollte sie wirklich kennenlernen. Da passierte etwas seltsames. Sie schickte mir ein Lied, ein Lied von „Casper“.

 

Ich kenne diese Band, diesen Sänger, ich hörte kurz in die Lieder hinein und ich mochte sie gar nicht. Die Texte zu revolutionär, zu aufmüpfig, zu wenig ich. Die Stimme kratzig, rauchig, aber in meinen Ohren einfach nicht schön.

Ich verstand den Hype um diesen Rapper nicht. Verstand nicht, wieso man sich seine Lieder immer und immer wieder anhören sollte.

Und dann schickte mir Leonie dieses eine Lied. Und ich wollte es mir wirklich nicht anhören. Aber ich kam nicht darüber hinweg. Und jetzt sitze ich hier, neben mir das Frühstück und Casper brüllt mir ins Ohr.

Es sind einzelne Zeilen, die sich in meinen Kopf gegraben haben. Einzelne, schnell und heftig herrausgewürgte Worte, die mich berühren. Gerade wegen der kratzigen Stimme, die mich daran erinnert, wie ich mich anhöre, wenn ich nicht mehr ganz so nüchtern bin.

Es sind diese Verse:

Dann warst du kurz zu Besuch
Leider nur zu Besuch, hoff‘ es geht dir gut, da wo du bist.

Und es fällt mir schwer daran zu denken, dass ich morgen Abend wieder in mein Auto steige, um meine Heimatstadt zu verlassen, um mich wieder durch den täglichen Studierwahnsinn in einer anderen Stadt zu schleppen. Jedes Wochenende eine Auszeit, ein Luftholen und doch war ich nur kurz zu Besuch, leider nur zu Besuch. Auch dieses Wochenende.

Es ist echt schon verrückt, seit du weg von uns bist
Geht jeder getrennte Wege, man lächelt und nickt
Redets Wetter schlecht, ab und an mal SMS

Oh, es ist verrückt. Denn das Fehlen, das Vermissen verändert. Ich lebe mich ein in der neuen Stadt, ich gewöhne mich an das neue Leben, finde mich auch in den Armen anderer, neuer Menschen zurecht. Es ist anders, ja. Aber mit jedem Tag fühle ich mich auch dort heimischer, näher an die schönen Sachen gebunden.

Ein Lächeln. Würde ER es mir schenken? Ja, denn das wird sich niemals ändern. ER bringt mich zum Lächeln, zum Nicken. Für IHN rede ich das Wetter schlecht.

Ab und an mal SMS.

Immer noch im vierten Stock in weiß „Ich liebe dich“
Nur das Dumme war… Sandra liebte dich auch!

Wohnt ER nicht im vierten Stock? Wohnt ER nicht dort oben, unter dem Dach? Wie oft war ich bei IHM. So oft. Und doch scheint alles weit entfernt. Denn ja, ER weiß nichts von den großen Buchstaben an seiner Wand, er erkennt das „Ich liebe dich“ nur schleierhaft. Denn es steht nicht schwarz auf weiß dort. Es ist weiße Farbe auf weißer Wand. Nur eine, SEINE Vermutung.

Nur das Dumme war … Sandra liebte dich … auch!

Kein Plan, ob’s Lieben ist, doch was es ist, ich hoff, dass es bleibt
Drück mir die Daumen, war schön dich zu sehn‘, verdammt!

Ich hoff, dass es bleibt.

Gänsehaut. Sonnenlicht auf kalten Handflächen.

Leider nur zu Besuch.

Doch was es ist, ich hoff, dass es bleibt.

 

Von eurer Sandra

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