Wir kennen uns schon so viele Jahre. Wenn ich es genau bedenke, über 10 Jahre. Wir haben vieles miteinander erlebt: Lustiges, Trauriges, sind durch Höhen und Tiefen miteinander gegangen. Wie Freunde das eben tun.

Doch dann veränderte sich einiges. Ich habe mich verändert. Du hast dich verändert. Es war ein schleichender Prozess, vor dem ich am Anfang die Augen verschloss. „Das wird wieder, wir befinden uns gerade nur in einem Tief, wie es das auch in jeder Beziehung geben kann. Das gibt sich wieder.“
Leider gab es sich nicht. Ich vermied, dir meine ehrliche Meinung zu Dingen zu sagen, weil ich dann immer einen vorwurfsvollen oder enttäuschten Blick erntete, weil ich deine Träumereien oder Ansichten nicht teilte. Also schwieg ich und dachte mir meinen Teil. Ich verbog mich, damit es dir gut ging.

Über die letzten Wochen und Monate wurdest du mir immer fremder. Das fing damit an, dass ich nichts von dir hörte, wenn ich mich nicht meldete. Dass dir andere Menschen, andere Dinge in deinem Leben wichtiger wurden. Es setzte sich darin fort, dass ich dir gar nichts mehr erzählen wollte, was sich bei mir ereignete, weil du für mich zu einer Bekannten wurdest und ich anderen erzählte, wie es mir ging, was es Neues gab usw.
Entweder haben dir gemeinsame Freunde erzählt, wie es um „uns“ steht oder du hast es selber gemerkt, das weiß ich nicht. Jedenfalls war es dir plötzlich ein großes Anliegen, dich mit mir zu treffen und einen Kaffee zu trinken. Doch ich hatte keine Zeit.
Du wolltest nicht locker lassen und hast weiter nach einem Treffen gefragt. Dann kam der Punkt, an dem ich mir sagte „ich verbiege mich für nichts und niemanden mehr“ und ich dir ehrlich mitteilte, dass ich etwas Angst vor einem Treffen habe, da ich traurigerweise nicht weiß, über was wir beide reden sollen, da du mir so fremd geworden bist.
Seitdem herrscht Stille.

Am Anfang war es eine laute Stille. Nun aber ist es nur noch Stille, die nicht mehr weh tut, da ich eines gelernt habe:
Menschen verändern sich. Nicht einmal unbedingt zum Positiven oder Negativen. Sie verändern sich einfach. Das ist der Lauf der Dinge.

(Was nicht bedeutet, dass ich unsere tolle Zeit vergessen werde.)

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