Hi everyone,

heute waren wir gaaaanz viel wandern. Eigentlich den ganzen Tag lang. Aber von vorne:

Nach einem tollen hot and self-made breakfast (Joghurt mit Früchten + Müsli sowie „Strammer Max“ und Bratkartoffeln) und einigen Insider-Tipps zum Wells Gray Provincial Park von Joanne und Ric machten wir uns auf den Weg in selbigen.

Zuerst ging es noch in den Supermarkt, um Tagesverpflegung zu besorgen (Konrad und Martha). Währenddessen kümmerten wir anderen zwei uns um Sir James, da er uns mitteilte, dass er an „low tire“ leidet.
Kathrin ging in die Tankstelle und kam mit einem sehr komisch anmutenden Gerät wieder raus, anhand dem man angeblich den Luftdruck messen kann. Da wir überhaupt nicht zurecht kamen, ging Kathrin noch einmal rein und wir hatten Glück, denn es kam ein junger, netter und talentierter Mann mit raus und kümmerte sich um alles: Cody. Es dauerte nicht lange und alle Reifen waren gecheckt bzw. nachgefüllt, James meckerte nicht mehr und es konnte los gehen :o)

Wir fuhren rund 55 km in den Park hinein, bis wir über teilweise asphaltierte Straßen und teilweise nur Schotterstraßen (Sir James, wir sind stolz auf dich, was du alles aushältst!) am ersten Ziel ankamen: „Ray Farm“.
Hierzu wird es einen Gastbeitrag von Kathrin geben, da das echt beeindruckend war/ist!
Wir wanderten also zu viert zur Ray Farm und wollten eigentlich nur diese kurze Rundwanderung machen. Da es sich aber anbot, haben wir sie gleich mit den „Mineral Springs“ und „Alice Lake“-Wanderungen verbunden und waren am Schluss gut 6 km unterwegs.
Die Wanderung war der Hit, weil man uns bestimmt für verrückt halten würde, wenn man uns beobachtet hätte: 4 Personen laufen hintereinander her (schmale Wege, teilweise zugewuchert, da wäre eine Machete hilfreich gewesen) und machen Lärm, damit keine Tiere zu nahe kommen. Im Angebot haben wir da trampeln, schlurfen, klatschen, laut reden (das beinhaltet total sinnloses Gerede wie z.B. Zahlen oder das ABC aufsagen, Limericks zum Besten geben, Englischvokabeln abfragen usw) – und das fast 2 Stunden lang. Wir müssen echt wie Verrückte gewirkt haben … :D
Ich durfte immer die Letzte machen, da ich das Bärenpfefferspray hatte (und die anderen Angsthasen nicht nach hinten wollten  ;D ) – natürlich drehte auch ich mich alle 10 m rum, um nachzusehen, ob sich bei uns nicht evtl. ein Gefährte mit Fell angeschlossen hatte … Funny, funny, funny!
Auf dieser Wanderung haben wir jedenfalls so aktiv und erfolgreich Lärm gemacht, dass wir keine Tiere sahen. Außer einigen Squirrels (davon eines hoch oben im Baum, sein Name ist nun „Lasse“), viiiiiiielen Moskitos (Kathrin wurde komplett zerstochen, wir anderen nicht) und Monsterlibellen am Alice Lake (sind leider nur geflogen, daher kein Foto). Schee war’s  :o)

Nach einer kurzen Mittagspause am Auto fuhren wir weiter zum „Helmcken Falls“, der berühmteste Wasserfall des Wells Gray Provincial Park und sogar höher als die Niagarafälle! Very impressive.

Hiernach fuhren wir weiter (man kann das alles gar nicht laufen, da der Park mindestens 100 km lang ist) und über eine hübsche Brücke, um zu den „Dawson Falls“ zu gelangen. Abermals Wasserfälle, die über 100 m breit und schön anzusehen sind. Hier lernten wir 2 nette Kölner kennen, die mit dem Wohnmobil Richtung Osten unterwegs waren. Also haben wir gleich Tipps ausgetauscht und ihnen unseren Nationalpark-Pass Jasper/Banff vermacht.

Sir James fuhr weiter, bis wir an der „Majerus Farm“ hielten (die direkten Nachbarn zur Ray Farm – 16 km Entfernung dazwischen!!!). Dort gab es einen 3-km-Rundweg inkl. Besuch der (zerfallenen) Farm. Los ging’s!
Wir wanderten gut 700 m durch einen dunklen Wald mit abermals engen Wegen (guess who was last  ;D), bevor Kathrin ein sehr ungutes Gefühl bekam und wir lieber umdrehten.
Hierzu muss ich Euch etwas erklären: Kathrin scheint ein Gespür für die (baldige) Anwesenheit von Tieren zu haben. Immer, wenn sie sagte, dass das Gefühl da ist, sahen wir innerhalb weniger Minuten Tiere. So wie z.B. die ganzen Waipiti-Hirsche oder Bären am Straßenrand.
Da auf  dem Weg zur Majerus Farm meterlang nebeneinander Bärenkot lag und Kathrin urplötzlich dieses Gefühl hatte, gingen wir auf Nummer sicher und drehten um. – Einen Bären aus sicherer Entfernung (möglichst aus dem Auto heraus) zu sehen, ist uns dann doch lieber als die hautnahe Erfahrung.

Hiernach besuchten wir den „Green Mountain Hill Tower“, einen Aussichtspunkt über den ganzen Park, weit oben am Berg. Entsprechend lang ging es auch bergauf in unserem Sir James, der sich tapfer durch den dunklen Wald (wir hätten da nicht entlang laufen mögen!) und die engen und mit Schlaglöchern übersäten Schotterstraßen quälte. Aber die Aussicht von oben war wirklich toll, wir konnten kilometerweit sehen bei tollstem Sonnenschein :o)

Nach den ganzen Touren und Erlebnissen kehrten wir auf dem Rückweg zum Parkeingang im „Black Horse Saloon“ ein. Eine urige Kneipe bzw. ein uriger Saloon, der im Cowboystil gehalten war. Planwagen, Pferde, Saloon, Bar … sehr authentisch und gemütlich. Da konnte man sich ein Eis bzw. ein Getränk sehr gut schmecken lassen.

Als letzter Punkt des Tages gingen wir zu den „Moul Falls“ und absolvierten dort eine letzte Wanderung. Angeblich 1,9 km. Aber wir sind der Meinung, dass die Kanadier beim Entfernungen messen entweder in der Schule nicht aufgepasst haben oder aber immer nur Luftlinie messen und nicht nach den tatsächlichen Wegen gehen. Das waren nie im Leben nur 1,9 km!
Wir vier liefen jedenfalls los und waren eine gute Weile unterwegs, bis wir am Viewpoint der Moul Falls ankamen. Nur leider sah man nichts von den Wasserfällen, man hörte sie nur. Das war uns natürlich nicht genug.
Also ignorierten Kathrin und ich das „Ende des Trails“-Schild und marschierten weiter – Ihr kennt uns ja mittlerweile  ;o)
Wir überwanden einige Höhenmeter nach unten und et voila – standen wir direkt unten an den Moul Falls und konnten sie in voller Pracht bewundern (schon komisch, dass der Trail offiziell endet, dann aber dahinter Stufen nach unten führen. Die meisten Stufen waren aus Stein oder Lehm und teilweise auch sehr rutschig – aber andererseits war da dann auch eine Edelstahltreppe für ein Teilstück eingebaut. Strange!).
Wir kamen jedenfalls lebend unten und auch wieder oben an und fuhren dann irgendwann wieder vollzählig und mit Sir James zurück in unser B&B, wo wir erst einmal Ric für den Tipp mit dem Geheimweg zu den Moul Falls dankten (habt Ihr wirklich geglaubt, wir gehen da runter, ohne uns auszukennen?).

Nach einer verdienten heißen Dusche nach gut 10 km Wanderung über den Tag verteilt und einem schnellen Abendessen, war der Tag gelaufen. Ich war so müde, dass ich sogar auf der Couch im Wohnzimmer weggepennt bin. So schnell kann’s gehen.

Für morgen früh haben Kathrin und ich uns übrigens auch schon wieder etwas ausgedacht  – so stay tuned  :o)

Eure Karina

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