Dank Josephine im Chaos wurde ich auf einen Aufruf von Paul aufmerksam und möchte Euch diesen heute mal zeigen bzw. vorstellen.

Paul arbeitet im Rettungsdienst und weiß daher auch, wovon er spricht, wenn es um Erste Hilfe geht usw. In seinem Blogeintrag ruft er dazu auf, Geschichten zu teilen, wie wer wann wem geholfen hat.
Denn: jeder kann helfen, jeder kann Erste Hilfe leisten, auch Du!

yes, you can

Ja, sogar ich habe es schon einmal geschafft, „Retterin“ zu spielen. Obwohl ich das nie, nie, niemals von mir gedacht hätte, dass ich so etwas könnte. Aber genau darauf kommt es an – sich selbst zu überwinden und zu helfen.
Würden wir nicht auch wollen, dass uns geholfen wird, wenn uns etwas passiert?

Daher teile ich nun meine Geschichte mit Euch:

***

Es war im September letzten Jahres. Es war Donnerstag Nachmittag und ich saß auf der Arbeit. Mir gegenüber saß unsere Azubine. Da kam dieser nette Opi (80+) rein und brachte mir Unterlagen, die ich benötigte. Ich nahm sie entgegen, redete kurz  mit ihm und wünschte ihm noch einen schönen Tag, da schon der nächste Kunde in der Tür stand.
Mit demjenigen musste ich dann ins Büro nebenan (Kollege war nicht da) und zeigte ihm die Unterlagen, die er sehen wollte. Von dem Schreibtisch aus hatte ich dann auch Blick auf meine Azubine, welche urplötzlich total erschrocken aussah und kreidebleich war. Sie sah mich nur an und sagte hilflos „Karina?!“
Ich ließ den Kunden alleine bei den Unterlagen und fragte sie, was denn los sei. „Der nette Herr, der gerade da war, stand eben wieder in der Tür, sein Gesicht blutüberströmt. Er ist eben wieder weggelaufen.“
Ein Blick Richtung offen stehender Tür bestätigte es; blutverschmierter Türgriff, Unmengen Blut auf dem Fußboden … Ohne groß zu überlegen, bin ich ihm hinterher gelaufen und sah das Übel – eine riesige Platzwunde an der Stirn.
Den armen Mann hat es die 2 Stufen zwischen unserem Bereich und dem allgemeinen Treppenhaus hingelegt und er war dann ziemlich orientierungslos, zumal er aufgrund des vielen Blutes selber nicht viel sah.
Ich sprach ihn an „Herr E., bleiben Sie mal bitte stehen. Ich hole Ihnen einen Stuhl, da setzen Sie sich hin und dann komme ich gleich wieder zurück, ja?“ Gesagt, getan.
Die Azubine wies ich an, den noch im Büro stehenden Kunden in den Aufzug zu verfrachten, statt die Treppen zu nutzen. Außerdem sollte sie bitte das Blut vom Boden wegwischen. Ich schnappte mir Unmengen Zewa und bin wieder zu Herrn E. gelaufen, der zwischenzeitlich schimpfte wie ein Rohrspatz („Sowas Blödes, jetzt mache ich Ihnen auch noch Umstände, das wollte ich nicht. Wie blöd man sich im hohen Alter doch anstellt“ usw usw.). Dann habe ich ihn erst einmal grob versorgt, indem ich viel Zewa nahm, es übereinanderfaltete und ihm auf die Platzwunde drückte. Nebenbei unterhielt ich mich mit ihm, damit er nicht bewusstlos wird.
Zwischenzeitlich tauchte die Azubine auf sowie ein weiterer Kollege. Diese suchten dann verzweifelt im ganzen Haus nach einem Verbandskasten (der nicht auffindbar war). Sie kamen wieder zurück und redeten mit Herrn E. und blieben bei ihm, während ich den Notarzt rief und auch seine Schwägerin informierte, dass sie doch bitte vorbeikommen soll.
Bis der Rettungswagen kam (Notarzt war nicht nötig), blieben wir weiterhin bei Herrn E., wechselten regelmäßig das Zewa aus, unterhielten uns mit ihm, machten Späße und wiegelten den Kundenverkehr ab, da wir dafür wirklich keine Zeit hatten.
Die Rettungssanitäter kamen ca. 10 Minuten später an (die Azubine musste sich an die Straße stellen und Ausschau halten) und versorgten Herrn E.. Sie lobten uns, dass wir (grundsätzlich) alles richtig gemacht haben und nahmen ihn im Krankenwagen mit zum Nähen.
Und wir kümmerten uns noch um die Türklinken, Blutspritzer, den Fußboden sowie unsere Hände, die wir nachträglich desinfizierten. Abends durfte dann die Reinigungsdame nochmal mit schärferen Mitteln über die Stellen gehen, die mit Blut in Berührung gekommen waren.

Ein paar Wochen später kam Herr E. wieder zu mir, weil er eine Frage hatte. Die Fäden waren schon gezogen worden und die Narbe gut verheilt. Ihm ging es auch gut und wir machten unsere Späße über das vor einigen Wochen passierte. Gut, wenn man danach drüber lachen kann :o)

***

Das war nun meine Geschichte. Klar, wir hätten Handschuhe anziehen sollen, als wir Herrn E. „verarztet“ haben (hatten aber keine da). Eine Mullbinde oder ähnliches wäre sicherlich auch besser gewesen als Zewa, aber woher nehmen und nicht stehlen (mittlerweile hängt ein Erste-Hilfe-Koffer gut zugängling im Kopierzimmer)?
Im Nachhinein erscheint mir das Passierte so unwirklich, aber dennoch kann ich wohl eines sein: stolz auf mich. Ohne es wirklich zu wissen, habe ich intuitiv das Richtige getan.
In diesem Sinne – erzählt Paul von Eurer Geschichte (alltagimrettungsdienst (at) gmx. de), ermuntert andere Menschen dazu, zu helfen. Und wenn es „nur“ der Anruf bei der Rettungsstelle ist. JEDE/R KANN HELFEN!

Eure Karina

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