Hallo meine Lieben,

Tag 2 im Chiemgau und der Tag startete erstaunlich früh, nämlich schon gegen 5:45 Uhr, da ich aufwachte und danach partout nicht mehr einschlafen konnte. Entweder war es die Entdeckerlust, die mich nicht mehr schlafen ließ oder dann doch die Altersschlaflosigkeit. ;o)  Komischerweise sollte es mir jeden Tag im Chiemgau so ergehen, dass ich spätestens um 6 Uhr putzmunter war. Mein Tag begann dann erst einmal ganz entspannt mit lesen (Zeitschriften, Tourismusbroschüren oder Buch), denn Frühstück gab es erst ab frühestens 7 Uhr und ich hatte auf 9 Uhr ausgemacht/bestellt.

Gegen 9 Uhr war ich dann also fertig zum Frühstück und meldete mich unten in der Küche. Dort fand ich eine sehr nette ältere Dame vor (Die Mutter der Hausherrin? So eine ganz putzige Omi halt.), der ich meinen Namen sagte und „ich melde mich zum Frühstück“. Hat sie schon gegrinst mit ihrem putzigen Dutt. <3  Ich solle mir irgendwo ein Plätzchen suchen, egal ob drin oder draußen, sie bringt mir mein Frühstück gleich und dazu meinen Milchkaffee – die Milch macht sie warm, ob mir das recht ist? <3  <3  <3
Ich suchte mir also ein Plätzchen und entschied mich draußen für den Tisch und die Bank direkt vor der Haustüre mit Blick in den Garten bzw. die Straße. Da ließ es sich gut aushalten. Die putzige Omi brachte mir dann auf einem Tablett mein Frühstück, das mehr als ausreichend war (2 Scheiben Brot, 2 Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade, Butter, eine kleine Kanne Kaffee) und ich genoss es in aller Ruhe, während mir eine Katze um die Beine strich und mir beim Essen zusah. Am besten schmeckte etwas, das die Konsistenz von Honig hatte und rötlich war. Mjam!

Danach packte ich meine Sachen und machte mich mit dem Auto auf den Weg nach Prien am Chiemsee, das keine 8 km entfernt war. Auch diesmal brachte mein kleiner schwarzer Flitzer wieder die Warnmeldung „Fülldruck prüfen, neu initialisieren“. Wie sich herausstellte, machte er das immer, wenn man das Auto anließ und dieser Hinweiston war jedes Mal erschreckend und leider auch nervtötend … X_x
Daher rief ich, nachdem ich auf dem Parkplatz zur Chiemseeschifffahrt geparkt hatte, bei der Service-Hotline der Autovermietung mit weißer Schrift auf grünem Grund an und hatte schnell eine nette junge Dame am Telefon. Ich erklärte ihr mein Anliegen, erzählte, dass wir am Abend zuvor den Reifendruck geprüft und nachgefüllt hätten und dass die Fehlermeldung aber immer noch kommt. Sie fragte nach dem Kennzeichen und ich gab es ihr durch. „Ach ja, da haben wir wieder so einen sehr intelligenten Bordcomputer“, war ihre Aussage. „Machen Sie sich keine Sorgen, da explodiert nix und da passiert auch sonst nix.“ Na, da war ich ja erst einmal beruhigt. ;D  „Ich sehe, Sie geben das Auto in zwei Tagen wieder ab. Da haben Sie jetzt folgende Möglichkeiten: wenn eine unserer Zweigstellen in Ihrer Nähe ist, können Sie dort vorbeifahren und die Jungs dort lesen Ihnen die Fehlermeldung raus oder Sie ignorieren einfach diese ständige Fehlermeldung und fahren weiter. Dann wird der Fehler rausgelesen, wenn Sie das Auto wieder abgeben.“ Und für was entschied ich mich? 3x dürft ihr raten? Genau – weiterfahren mit dem nervigen Signalton beim Anlassen, denn ich hatte keine Ahnung, wo die nächste Zweigstelle ist und hatte auch keine Lust, diese zu suchen. Aber wenigstens konnte nix explodieren …  ;o)

Anschließend ging ich an den Schalter der Chiemseeschifffahrt und holte mir ein Ticket für die „große Schifffahrt“, also alle Inseln inklusive. Der Herr am Schalter sah ebenfalls aus wie ein Bruder zum Franz Eberhofer-Darsteller und schaute etwas komisch, als ich mit „Grüß Gott“ an den Schalter ging und mich mit „Pfüadi“ verabschiedete. :D
Bis mein Schiff zugänglich war und ablegte, hatte ich noch Zeit und so konnte ich schon einmal die ersten Fotos schießen und einige Infos durchlesen, die ich euch hier gerne weitergebe:

Im Chiemsee liegen die Inseln Herrenchiemsee, Frauenchiemsee und die unbewohnte Krautinsel. Diese drei Inseln bilden die Gemeinde Chiemsee, die eine der zwei kleinsten Gemeinden Bayerns ist. Lustigerweise gehören der Chiemsee selbst sowie die bei Frauenchiemsee gelegene winzige Insel Schalch nicht zur Gemeinde, sondern als gemeindefreies Gebiet zum Nachbarlandkreis Traunstein. Damit sind die Inseln der Gemeinde Chiemsee Exklaven des Landkreises Rosenheim, die vollständig vom Gebiet (hier: Chiemsee-Wasserfläche) des Landkreises Traunstein umgeben sind.

Bald ging es los und es verhieß ein richtig schöner und sonniger Tag zu werden. Unendlich viele Touristen strömten auf das Schiff und man hörte die unterschiedlichsten Sprachen. Englisch, spanisch und verschiedenstes deutsch.  ;o)

Nach kurzer Zeit kamen wir auf der Insel Herrenchiemsee (Herreninsel) an und die Inselerkundung begann. Nicht unweit der Anlegestelle gab es die ersten Souvenirshops und auch Pferdekutschen, die zahlende Gäste quer über die Insel bis zum Neuen Schloss Herrenchiemsee, das eine Kopie des Schlosses von Versailles darstellt und unter König Ludwig II. erbaut wurde, brachten. Aber das wäre ja langweilig, also bin ich gelaufen. Natürlich. :o)  Über geteerte Wege ging es durch Wälder und wenige Anhöhen entlang, bis ich nach nicht all zu langer Gehzeit und dem Überholen von mindestens zwei Tourigruppen mitten in der Anlage des Schlosses stand.

Herrenchiemsee by Google

Da es mir dort für den ersten Moment zu voll war und leider auch nirgends ein Schattenplatz auf einer Bank frei war, entschied ich mich dazu, erst einmal den Rasenteppich entlang zu laufen, am Apollo-Bassin vorbei bis vor zum Kanal (also ganz in den Westen des Plans oben, den ich euch von Google Maps eingefügt habe). Auf dem Weg begleiteten mich Schmetterlinge, Enten und auch zwei Schwäne! Auch aus der Entfernung wirkte das Neue Schloss Herrenchiemsee sehr imposant und einladend. Gärtner und andere Angestellte kümmerten sich um die Grünanlagen inmitten der ganzen Touristen. Natürlich sah ich mir das Schloss dann auch noch einmal näher an (nein, keine Führung) und muss sagen, dass es wirklich märchenhaft schön ist. Ab 1878 erbaut durch den Architekten Georg Dollmann und mit einer richtig schönen Grünanlage versehen sowie vielen Brunnen, von denen jeder seinen ganz eigenen Charme und sein ganz eigenes Thema besitzt (Fama-, Fortuna- und Latona-Brunnen).

Danach lief ich wieder Richtung Westen bis zum Kanal (Grand Canal), um zu merken, dass es auf dieser Seite leider nicht weiterging, also lief ich zurück zum Apollo-Bassin und von dort in den Wald und Richtung Norden. Es war malerisch schön mit sattem Grün, efeubewachsenen Bäumen, Blick auf den Chiemsee und teilweise auf Schilf. Die Vögel zwitscherten und die kleinen Windchen ließen einen die Hitze vergessen. Diese Wege waren nun nicht mehr geteert, sondern vielmehr geschottert. Auf dem Weg sah ich Pferde und Kühe und die Sonne kam immer wieder durch, bevor ich wieder beim Augustiner Chorherrenstift bzw. bei den Souvenirshops ankam.
Da ich noch etwas Zeit bis zum nächsten Schiff hatte, kaufte ich zwei Postkarten, schrieb diese an zwei Herzmenschen und schmiss sie auch gleich in den nahestehenden Briefkasten ein. Ist doch nicht schlecht, wenn man Briefmarken im Geldbeutel mitführt – für alle Fälle gewappnet.  :o)

Wenig später ging es per Schiff weiter zu Frauenchiemsee (Fraueninsel). Schon beim Anlegen des Schiffes hatte man einen schönen Blick auf die Benediktinerinnenabtei Frauenwörth. In den Grünanlagen zwischen Abtei und Chiemsee lagen die Menschen im Gras und genossen die Sonne oder hörten Musik. Kleine Kinder tollten herum, es war einfach nur schön. Ich machte mich auf den Weg um die Insel herum, also einmal an der Anlegestelle im Uhrzeigersinn rum bis zur Anlegestelle zurück. Es gab sehr viele private Bootanlegestellen, die zu einzelnen Häusern/Gärten gehörten, woanders lagen Tretboote am Strand. Es war richtig schön und ich fand viele Bildmotive (wer mich kennt, den wundert das nicht mehr).

Noch ein kleiner interessanter Fakt zur Herren- und Fraueninsel:
Auf der 15,5 ha großen und autofreien Fraueninsel wohnen in etwa 50 Häusern beständig um die 300 Einwohner. Auf der 238 ha umfassenden Herreninsel wohnen dagegen ganzjährig nur wenige Personen.

Nachdem ich die Insel erkundet hatte, holte ich mir bei einem kleinen Stand ein Wasser (das dringend nötig war bei der Hitze) und wartete auf das nächste Schiff, mit dem ich nach Prien zurückwollte. Das kam dann auch irgendwann, nur fuhr ich dann erst einmal eine Weile spazieren über Gstadt, Fraueninsel und wieder Herreninsel, bis ich gegen 15:35 Uhr wieder in Prien am Chiemsee ankam. Von dort ging es zum Parkscheinautomat und meinem kleinen schwarzen Flitzer. Erst einmal alles aufgerissen und draußen stehen geblieben (schwarzes Auto und schwarze Ledersitze – eine schlechte Kombi bei strahlendem Sonnenschein!). Dann eingestiegen, angelassen, hallo Fehlermeldung und zurück in den Wintererhof und dort kurz erholen, bevor es wenig später weiterging.

Gegen 16:15 Uhr stand nämlich mein Papa im Wintererhof auf der Matte und wir entschieden uns dazu, im kleinen schwarzen Flitzer nach Wasserburg am Inn zu fahren. Wenn schon, denn schon!  :o) Dorthin waren es keine 25 km und ich freute mich darauf, Wasserburg endlich einmal selber zu sehen, nachdem ich immer nur davon gelesen oder von anderen darüber gehört hatte.

Wasserburg am Inn bietet mit seiner landschaftlichen Lage eine Besonderheit: Die Altstadt liegt auf einer vom Inn fast vollständig (zu ca. 7/8) umflossenen Halbinsel, die nur über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Vom gegenüberliegenden bis zu 70 Meter hohen Steilufer, der Innleiten, überblickt man die ganze Altstadt mit ihrer bis ins Mittelalter zurückreichenden Bausubstanz. Der Name Wasserburgs leitet sich vermutlich von der ähnlich einer Wasserburg fast allseits von Wasser umgebenen Burganlage ab.  (Quelle: Wikipedia)

Über die Innbrücke fuhren wir durch einen schön bemalten Turm in die Altstadt hinein und fanden recht schnell einen Parkplatz, auf dem der kleine schwarze Flitzer abgestellt wurde. Von dort erkundeten wir die Stadt zu Fuß.
Wasserburg ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Altbayerns, sie ist sogar älter als die Landeshauptstadt München. Überall sieht man gotische Häuser mit Zinnen und auch Erkern, die noch dazu unterschiedlich bunt sind. Man fühlt sich sofort wohl und die vielen Cafés und Geschäfte laden zum Verweilen ein. Ja, ich würde fast sagen, dass Wasserburg am Inn südländisches Flair genießt, historisch anmutet und dabei doch auch jung geblieben ist aufgrund der vielen Studenten und Schüler.

Nach unserer kurzen Erkundung der kleinen Gassen und der bunten Altstadt setzten wir uns in die „Wasserburger Backstube“, wo ich unbedingt den Kaiserschmarrn probieren wollte, der mir empfohlen worden war. Leider waren wir zu spät dran und so gab es für mich leider nur noch hausgemachten Apfelstrudel mit Vanilleeis, aber auch der war ein Traum. Zum Reinlegen! Während wir uns gut unterhielten, kamen Besucher vorbei, die gerne etwas vom Essen bekommen hätten. Putzig, die Kleinen und so gar nicht menschenscheu:

Nach unserer Stärkung machten wir uns auf den kurzen Rückweg zum Auto, lüfteten erst einmal wieder und dann telefonierten wir erst einmal kurz wegen dem nächsten Tag (Samstag) herum, bevor wir zurück nach Bad Endorf fuhren. Dort wollten wir ebenfalls noch etwas abklären für den Folgetag, hatten aber leider kein Glück … aber wir geben ja nicht auf, probieren es weiter und hoffen auf das Glück der Tüchtigen.  :o)

Abgesehen davon hatte mir König Ludwig der II. noch eine Erinnerung mitgegeben. Lasst euch überraschen, was …

Eure Karina

PS: Falls ihr euch wundert, warum ich dauernd mit den Begriffen Chiemsee und Chiemgau wechsele: das Chiemgau bezeichnet die Region um den Chiemsee herum.

Advertisements