Hallo meine Lieben,

das erste Mal aufwachen in Isny war irgendwie komisch, aber dennoch fühle ich mich immer noch sau sehr wohl hier. Zuerst ging ich auf den Balkon und stellte fest, dass die Wettervorhersage leider nicht gelogen hatte: Nieselregen, kühle 19 Grad und über den Wäldern hing noch Nebel.

Das konnte mich aber nicht davon abbringen, morgens zum Wandern in den Eistobel zu gehen. Dafür hatte ich meine Wanderschuhe und eines meiner Sportoutfits eingepackt (Dry fit Klamotten) sowie die Regenjacke. Denn: es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung!  :o)

Nach einem leckeren schnellen Frühstück machte ich mich auf den Weg Richtung Maierhöfen zum Naturschutzgebiet „Eistobel“. Diesmal morgens gegen 9 Uhr bei Regen, damals mit Markus nachmittags gegen 14 Uhr in einem hellblauen VW Beetle Cabrio bei strahlendem Sonnenschein. So ändern sich die Zeiten.  :o)  Und dennoch war auch hier alles präsent. Der Weg kam mir immer noch vertraut vor, im Vorbeifahren habe ich das Restaurant Hotel „Zur Grenze“ wiedererkannt, wo wir damals nach dem Eistobel angehalten und einen Cappuccino getrunken hatten. Ich sag ja, Elefantengedächtnis.

Am Parkplatz zum Eistobel angekommen, war nicht viel los. Klar, wer geht schon bei anhaltendem Regen wandern?  ;o)  Wenigstens standen diesmal keine Polizei und kein Leichenwagen da wie im September 2013 – damals sind wir den Eistobel dann rückwärts gelaufen. Damals hat sich leider jemand das Leben genommen und ist von der angrenzenden Argentobelbrücke gesprungen.

Nachdem ich meine Eintrittskarte bei der netten Kassiererin am Infopavillon an der Argentobelbrücke gelöst hatte, konnte es los gehen. Da ich für 13 Uhr schon wieder verabredet war, entschied ich mich dazu, die kürzeste Strecke zu gehen (einfach ca. 2,5 km – da ich wieder zurück musste, waren es gesamt ca. 5 km). Nachdem ich durch das Drehkreuz durch war und den Abstieg in Angriff nahm, fühlte ich mich sofort wohl. Mit zig Erinnerungen von damals im Kopf an bestimmten Stellen des Eistobels konnte es gut los gehen… :o)  Nur, dass ich den Eistobel diesmal „richtig rum“ gelaufen bin.

Zur allgemeinen Information: Der Eistobel ist ein Naturerlebnis für sich mit rauschenden Wasserfällen,  tiefen Strudellöchern und gewaltigen Felswänden in einem ca. 3,5 km langen Naturschutzgebiet. Der Name „Eistobel“ leitet sich von den außergewöhnlichen Eisbildungen im Winter ab. Die Allgäuer bezeichnen eine enge, meist bewaldete Schlucht, die von einem Bach durchflossen wird, als Tobel. Mehr Infos findet ihr auf der Website des Eistobels.  :o)

Zum Eistobel kann ich euch gar nicht viel mehr sagen und nur Bilder sprechen lassen. Und meine Gefühle.  ;o) Gefühlt alle 2 m bin ich stehen geblieben und hab entweder die Natur genossen oder ein Foto geschossen. Es ist so eine unglaublich schöne Natur direkt an der Argen, dass man sie einfach nur genießen kann.

Ihr werdet jetzt lachen, aber bei einer der ersten Kiesstreifen am Rand der Argen dachte ich mir „schade, dass ich kein Yoga kann – ich würde mich jetzt da hinstellen und Yoga machen“ (wer mich kennt, weiß, dass ich bei so „langsamen“ Sportarten schreiend davon laufe). So entspannt und happy war ich. Das Wetter störte mich gar nicht – weder Trockenheit, noch Nieselregen, noch richtiger Regen – ich war einfach im „Hier und Jetzt“, wie man so schön sagt. Keinerlei Gedanken im Kopf, da herrschte auch nur angenehme Ruhe.

Okay, außer ab und zu Gedanken an den Eistobel vor 3 Jahren und wie viel Spaß wir hatten. Ich lief damals mit einer fast schon kindlichen Begeisterung durch den Eistobel, war richtig fasziniert von dieser wunderschönen Natur und dem Wandern als willkommener Abwechslung zum Klinikalltag und Markus? Der hat einfach immer nur gegrinst und fand das wohl ganz putzig.
Da war auch immer noch der Baum quer über die Argen, wo wir gescherzt hatten, dass das geradezu nach dem Film „Dirty Dancing“ schreit, wo Baby und Johnny auf einem Baumstamm im Wald tanzen.

Einige schwarze Eidechsen kreuzten meinen Weg, liebevoll Blacky 1 bis Blacky XY benannt (nach Nr. 8 hab ich aufgehört zu zählen), natürlich auch einige Schnecken. Dafür weniger Menschen, die hatten wohl alle keine Lust. Und die wenigen, die ich traf, mit denen kam ich immer gleich in ein kurzes Gespräch. Es war wirklich schön da. Einzig der teils rutschige Untergrund hat mir zu schaffen gemacht. Man darf ja nur mit festem Schuhwerk in den Eistobel (wie hab ich das damals mit meinen ausgelatschten Sneakers da durch geschafft?), daher die Wanderschuhe. Aber gerade auf den Holzstegen hatte ich meine Probleme, die habe ich als sehr rutschig empfunden und mich lieber festgehalten.

An meinem Wendepunkt meiner Eistobel-Tour, hinten am Stausee (über gefühlte 10 Höhenmeter Wurzelgebilde hinweg und durch einen sehr verwinkelten Wald – Herr der Ringe lässt grüßen), habe ich dann noch mein persönliches Sinnbild für diesen Tag bzw. diesen Urlaub gefunden:

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Auch auf dem Rückweg habe ich wieder oft auf den Auslöser gedrückt und mir kam zum wiederholten Male das Lied „Feels like home“ in den Kopf – und da niemand in der Nähe war, konnte ich das auch leise vor mir hin singen obwohl ich überhaupt nicht singen kann.  ;o)

„It feels like home to me. It feels like home to me. It feels like I’m all the way back where I belong.”

Nach guten 3 Stunden war ich wieder aus dem Eistobel draußen und fuhr im Regen zurück zur Ferienwohnung, machte mich frisch und dann ging es schon zu Fuß in die Isnyer Innenstadt, da ich  mich mit einem meiner Herzmenschen von der Reha verabredet hatte, mit meinem liebsten Dirk. Was soll ich sagen? Wir saßen in „unserem Cafe“ Schuhmacher, redeten, scherzten, aßen, tranken und die Zeit verging wie im Flug. <3  Dirk ist einfach so putzig und lieb, er hat sich meiner Meinung nach überhaupt nicht verändert seit damals und wenn, dann sicherlich nur positiv. Manche Äußerungen haben mich leicht irritiert „Hattest du schon immer so grüne Augen? Ich muss immer wegschauen, du machst mich nervös.“ Häää?  Nach ungefähr 3 Stunden mussten wir uns wieder trennen und es kam, wie es kommen musste, ich vergoss einige Tränen. Wie vor 3 Jahren. Schrecklich, ich hasse Abschiede.  Nachdem ich mich wieder eingekriegt hatte, hab ich mich das erste Mal wieder in der Innenstadt umgesehen und muss sagen, dass sich kaum etwas verändert hat. Vielleicht hat sich das ein oder andere Geschäft geändert/aufgelöst, aber mein Lieblingsladen „milu“ war noch da der war damals mein finanzieller Ruin. ;D und auch der leckere Italiener „Dolce Vita“, in dem ich am letzten Abend der Reha mit Birgit und Paul essen war. Auch der Laden, in dem es sog. handgefertigte „Wurzelkinder“ zu kaufen gab, war noch da und hatte immer noch sehr schöne Exemplare in der Auslage liegen. Nur die „Kaffeebohne“, ein tolles Cafe, wird derzeit renoviert und ist geschlossen. Schade. Auch sonst ist Isny immer noch zauberhaft schön und mit seinen knapp 15.000 Einwohnern auch nicht zu groß. Die mittelalterlichen Türme und noch erhaltenen Stadtmauern verleihen der Stadt einen gewissen Charme, ebenso wie die kleinen Gassen, die im „Innenstadtoval“ überall zu sehen sind.

Außerdem sah ich noch eine Skulptur hinter dem irischen Pub, die nennt sich „Steuerzahlerbrunnen“ und strotzt vor Löchern, aus denen Wasser davon läuft … War am 12.07. nicht irgendwie lustigerweise „Steuerzahlergedenktag“ oder so ähnlich? Also der Tag, ab dem der Steuerzahler in die eigene Tasche wirtschaftet und nicht mehr für den Staat arbeitet (siehe hier). Zur rechten Zeit am rechten Ort.  ;o)

Nachdem ich noch ein wenig durch Isny gelaufen und meinen Gedanken nachgehangen bin, bin ich (diesmal mit Regenschirm) durch den Regen zurück in meine Ferienwohnung gelaufen und ich muss zugeben, dass mir da dann ein bisschen die Decke auf den Kopf gefallen ist. Dauerregen, Erinnerungen, Gedanken an Dinge, dir mir Dirk erzählt hatte, außerdem mir in dem Moment extrem fehlende Herzmenschen… Lust rauszugehen hatte ich auch nicht, also habe ich Gegenmaßnahmen ergriffen und mich mit meiner Sommerlektüre „Der Sommer der Blaubeeren“ auf die bequeme Couch gelümmelt und einfach laaaaange gelesen. Und Überlegungen angestellt, wo es am nächsten Tag hingehen könnte …

Eure Karina

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